In vielen Altbauten führen Ablagerungen, Materialermüdung und verwinkelte Leitungsführungen dazu, dass Abflüsse plötzlich langsam laufen, gluckern oder sogar rückstauen – und Standardmittel mehr schaden als helfen können.
Der entscheidende Unterschied zu moderner Installation: In älteren Gebäuden treffen Sie häufiger auf Guss- oder Tonrohre, alte Dichtungen, ungleichmäßige Rohrdurchmesser und teils jahrzehntealte Ablagerungen. Eine zu aggressive Vorgehensweise (z. B. starke Chemie oder zu harte mechanische Werkzeuge) kann Undichtigkeiten verursachen, die dann nicht nur den Abfluss betreffen, sondern auch Wand- und Bodenkonstruktionen. Mit einem strukturierten Vorgehen können Sie vieles selbst prüfen – und erkennen, wann eine professionelle Rohrreinigung oder eine TV-Kanalinspektion sinnvoller ist.
Symptome & Ursachen: Was die Zeichen im Altbau oft bedeuten
- Abfluss läuft nur langsam ab (einzelnes Becken): Häufig Siphon-Ablagerungen, Fett-/Seifenreste oder ein lokaler Pfropfen kurz hinter dem Anschluss.
- Gurgelnde Geräusche nach dem Spülen: Teilverstopfung oder schlechte Entlüftung; im Altbau oft durch Ablagerungen in der Fallleitung oder ungünstige Leitungsführung.
- Mehrere Abläufe betroffen (Küche + Bad): Hinweis auf ein Problem in der Sammelleitung oder im Hausanschluss; hier ist ein Kanal- und Rohrservice meist die schnellste Lösung.
- Wiederkehrende Verstopfungen trotz Reinigung: Typisch bei rauen Innenflächen (alte Gussrohre), Rohrversatz, Wurzeleinwuchs oder Einbrüchen in Tonleitungen.
- Übler Geruch aus dem Ablauf, besonders bei Wärme: Biofilm, stehendes Wasser durch Gefälleprobleme oder undichte/ausgetrocknete Geruchsverschlüsse.
- Rückstau im Kellerablauf bei Starkregen: Überlastete Grundstücksentwässerung, fehlende Rückstausicherung oder teilverstopfte Grundleitung.
- Feuchte Flecken an Wand/Boden nahe Leitungen: Mögliche Undichtigkeit an Muffen/Dichtungen – im Altbau ein klares Warnsignal, keine Experimente.
Troubleshooting: Checkliste zur Selbsthilfe (und wann Sie stoppen sollten)
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Ausmaß eingrenzen: Testen Sie nacheinander Küche, Bad, Dusche und ggf. Bodenabläufe. Notieren Sie, wo es gluckert oder staut.
Stopp & Profi rufen, wenn mehrere Stränge gleichzeitig betroffen sind oder Abwasser hochdrückt – das deutet auf Sammelleitung/Hausanschluss hin.
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Siphon reinigen (bei Waschbecken/Spüle): Eimer unterstellen, Siphon abschrauben, Ablagerungen entfernen, Dichtungen prüfen und wieder montieren.
Stopp & Profi rufen, wenn Gewinde brüchig sind, Dichtflächen beschädigt wirken oder nach dem Zusammenbau Tropfen auftreten.
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Mit Saugglocke arbeiten: Überlauf abdichten, ausreichend Wasser im Becken, dann kräftig pumpen. Das löst viele lokale Pfropfen ohne Chemie.
Stopp & Profi rufen, wenn sich der Wasserstand gar nicht bewegt oder Sie ein „knackendes“ Geräusch hören (bei alten, spröden Rohren riskant).
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Heißes Wasser + mildes Spülmittel (Küche): Bei Fettablagerungen kann eine Kombination aus heißem Wasser und etwas Spülmittel helfen. In Etappen einlaufen lassen, nicht schwallartig.
Stopp & Profi rufen, wenn bereits Rückstau vorhanden ist – dann kann zusätzliches Wasser die Situation verschlimmern.
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Reinigungsspirale mit Gefühl (nur bei kurzen Strecken): Nutzen Sie eine handgeführte Spirale mit Führungsschlauch. Langsam vorschieben, ohne Gewalt, und regelmäßig zurückziehen.
Stopp & Profi rufen, sobald Sie auf harten Widerstand stoßen, die Spirale „hakt“ oder Sie unsicher sind, ob alte Guss-/Tonrohre vorliegen. Profis arbeiten mit passenden Köpfen und kontrollierter Technik.
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Bodenabläufe und Revisionsöffnungen prüfen: Gerade im Altbau gibt es oft Revisionsklappen. Dort kann sich Material sammeln, das ganze Stränge bremst.
Stopp & Profi rufen, wenn die Revisionsöffnung beschädigt ist, Sie Abwasser sehen oder der Bereich nach Kanal riecht – das kann auf eine Undichtigkeit oder tiefere Verstopfung hinweisen.
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Wiederkehrende Probleme professionell abklären: Wenn Verstopfungen regelmäßig zurückkommen, hilft oft nur eine Ursachenanalyse (z. B. TV-Kanalinspektion) und anschließend eine gezielte, schonende Reinigung oder Reparatur.
Stopp & Profi rufen spätestens dann, wenn Gerüche bleiben, Feuchtigkeit sichtbar ist oder Sie bereits zweimal in kurzer Zeit das gleiche Problem hatten.
Entscheidungsbaum: Welcher nächste Schritt passt zu Ihrer Situation?
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Ist nur ein einzelner Ablauf betroffen?
- Ja: Siphon reinigen → Saugglocke → vorsichtige Spirale (kurze Strecke). Wenn keine Verbesserung: Rohrreinigungsdienst für die Leitung ab Anschluss.
- Nein, mehrere Abläufe: Problem sitzt meist in Sammelleitung/Fallleitung → professionelle Reinigung + ggf. Kamerabefahrung.
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Tritt Rückstau auf (Kellerablauf/Toilette drückt)?
- Bei Regen/Starkregen: Rückstausicherung prüfen lassen, Leitungen kontrollieren, Kapazität/Verstopfung klären.
- Unabhängig vom Wetter: Hohe Wahrscheinlichkeit für größere Verstopfung → sofort Fachbetrieb kontaktieren.
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Gibt es Anzeichen für Undichtigkeit (Feuchte, Schimmel, Tropfen)?
- Ja: Keine weiteren Selbstversuche. Leckage lokalisieren lassen, bevor gereinigt wird (Risiko von Folgeschäden).
- Nein: Mit schonenden Schritten starten; bei wiederkehrenden Symptomen Ursachenanalyse (Kamera) einplanen.
Sicherheits-Hinweise: Do’s & Don’ts im Altbau
- Do: Handschuhe und Schutzbrille tragen, besonders bei Revisionsöffnungen und Siphons.
- Do: Bereich gut lüften; Kanalgase können unangenehm sein und in seltenen Fällen gesundheitlich belasten.
- Do: Langsam und mit Gefühl arbeiten – alte Rohrmaterialien und Dichtungen reagieren empfindlicher auf Gewalt.
- Do: Bei Keller- oder Waschküchenbereichen elektrische Geräte fernhalten, wenn Wasser austritt (Stromschlaggefahr).
- Don’t: Keine aggressiven Rohrreiniger (stark ätzend) in alten Leitungen einsetzen. Sie können Dichtungen angreifen und bei Teilverstopfung gefährlich zurückspritzen.
- Don’t: Keine Hochdruck-Experimente ohne Fachkenntnis. Falsch eingesetzt kann Druck Wasser in Fugen drücken oder poröse Stellen aufreißen.
- Don’t: Eine Spirale nicht mit Gewalt durch „harten Anschlag“ drehen. Das kann bei Guss-/Tonrohren Kanten beschädigen oder einen Rohrversatz verschlimmern.
- Don’t: Warnsignale ignorieren: wiederkehrender Rückstau, dauerhafte Gerüche oder Feuchte sind Gründe für eine fachliche Prüfung inkl. TV-Kanalinspektion und ggf. Rohrsanierung.
Wenn Sie Ihr Problem bis hierhin eingegrenzt haben, können Sie einen Fachbetrieb deutlich gezielter beauftragen: „Mehrere Abläufe betroffen“, „Rückstau bei Regen“, „Verdacht auf alte Gussleitung“ oder „wiederkehrend trotz Siphonreinigung“ sind hilfreiche Angaben. So wird aus einer reinen Notmaßnahme eine nachhaltige Lösung – schonend für das Gebäude und planbar für Sie.